Ein Bausparvertrag ist kein Sparprodukt mit attraktiver Verzinsung. Er ist ein Instrument zur Zinssicherung. Wer ihn danach beurteilt, kommt zu einer klaren Antwort auf die Frage, ob er sich lohnt.
Das Wichtigste in Kürze
- Bausparen sichert Ihnen heute den Zinssatz für ein Darlehen in einigen Jahren.
- Die Abschlussgebühr liegt bei 1,0 bis 1,6 Prozent der Bausparsumme und fällt sofort an.
- Guthabenzinsen in der Ansparphase sind minimal, meist um 0,2 Prozent.
- Das Darlehen gibt es erst bei Zuteilung, wenn 40 bis 50 Prozent der Bausparsumme angespart sind.
Wie Bausparen funktioniert
Ein Bausparvertrag hat zwei Phasen. In der Ansparphase zahlen Sie ein, bis das Mindestguthaben erreicht ist, üblich sind 40 bis 50 Prozent der Bausparsumme. In der Darlehensphase können Sie den Rest als Darlehen abrufen, zu einem Zinssatz, der bei Vertragsabschluss festgelegt wurde.
Genau dieser festgeschriebene Zinssatz ist der Kern des Produkts. Sie kaufen heute das Recht, in einigen Jahren zu bekannten Konditionen zu finanzieren.
Die Kosten ehrlich rechnen
Die Abschlussgebühr fällt sofort an und wird mit den ersten Einzahlungen verrechnet. Bei 100.000 Euro Bausparsumme und 1,6 Prozent sind das 1.600 Euro, bevor der erste Euro tatsächlich spart.
Die Guthabenverzinsung in der Ansparphase liegt bei den meisten Tarifen um 0,2 Prozent. Tagesgeld bringt regelmäßig ein Vielfaches. Wer also nur sparen will, fährt anderswo besser.
Hinzu kommen bei vielen Tarifen Jahresentgelte für die Kontoführung. Diese Posten sind klein, summieren sich über zehn Jahre aber.
Die ehrliche Rechnung lautet deshalb: Der spätere Zinsvorteil muss Abschlussgebühr, entgangene Guthabenzinsen und laufende Entgelte übersteigen. Ob er das tut, hängt davon ab, wie sich die Zinsen bis zur Zuteilung entwickeln.
Wann sich der Abschluss lohnt
Es gibt drei Konstellationen, in denen Bausparen sinnvoll ist.
Am häufigsten sinnvoll ist der Einsatz als Zinssicherung für die Anschlussfinanzierung. Wenn Ihre Zinsbindung in acht bis zehn Jahren endet, sichern Sie sich heute die Kondition für die Restschuld. Das ist der häufigste sinnvolle Einsatz. Prüfen Sie allerdings, ob ein Forward-Darlehen dasselbe einfacher leistet.
Sinnvoll ist er auch, wenn Sie in einigen Jahren bauen oder kaufen wollen und ohnehin Kapital ansparen. Der Vertrag verbindet dann Sparen mit Zinssicherung.
Der dritte Fall ist staatliche Förderung. Wohnungsbauprämie und Arbeitnehmersparzulage sind einkommensabhängig und an Bedingungen geknüpft, können die Rechnung aber verbessern. Vermögenswirksame Leistungen des Arbeitgebers fließen häufig in Bausparverträge.
Wann er nicht passt
Wenn Sie das Geld in absehbarer Zeit brauchen, ist Bausparen falsch. Vor der Zuteilung kommen Sie an das Darlehen nicht heran, und die Zuteilung lässt sich nicht erzwingen.
Wenn Sie reine Geldanlage suchen, ebenfalls. Die Guthabenverzinsung ist dafür zu niedrig.
Und wenn Ihnen ein Bausparvertrag als Teil eines Finanzierungspakets angeboten wird, ohne dass jemand den Gesamteffektivzins über alle Bausteine ausweist, sollten Sie nachhaken. Kombinationen aus Bank-, Bauspar- und Förderdarlehen sind nicht per se schlecht, aber nur bewertbar, wenn die Gesamtrechnung offenliegt.
Ein Vorteil, der oft übersehen wird
Bauspardarlehen lassen sich jederzeit vollständig zurückzahlen, ohne Vorfälligkeitsentschädigung. Bei einem klassischen Bankdarlehen ist das innerhalb der Zinsbindung nur eingeschränkt möglich und kann teuer werden.
Wer damit rechnet, in einigen Jahren eine größere Summe zu erhalten, gewinnt dadurch Flexibilität. Dieser Punkt taucht in Vergleichsrechnungen selten auf, kann im Einzelfall aber entscheidend sein.
Was verschiedene Finanzierungswege für Ihre Rate bedeuten, können Sie mit dem Rechner auf unserer Startseite durchspielen.
Häufige Fragen
Ist ein Bausparvertrag sinnvoll?
Als Zinssicherung für eine spätere Finanzierung oder Anschlussfinanzierung ja, als reine Geldanlage nein.
Was kostet ein Bausparvertrag?
Die Abschlussgebühr liegt bei 1,0 bis 1,6 Prozent der Bausparsumme und fällt sofort an. Hinzu kommen häufig Jahresentgelte.
Wann bekomme ich das Darlehen?
Bei Zuteilung, wenn Sie das Mindestguthaben von meist 40 bis 50 Prozent der Bausparsumme angespart haben und die Bewertungszahl erreicht ist.
Wie hoch sind die Guthabenzinsen?
Bei den meisten Tarifen um 0,2 Prozent. Für reines Sparen sind andere Produkte besser geeignet.
Kann ich ein Bauspardarlehen vorzeitig zurückzahlen?
Ja, jederzeit und ohne Vorfälligkeitsentschädigung. Das ist ein echter Vorteil gegenüber dem Bankdarlehen.
Bausparvertrag oder Forward-Darlehen?
Beide sichern Zinsen für später. Das Forward-Darlehen ist meist einfacher zu durchschauen, der Bausparvertrag verbindet Sparen und Sicherung. Rechnen Sie beide Varianten durch.
Über diesen Ratgeber
Die Redaktion von Baufinanzierung-Vergleich.info stützt sich auf öffentlich zugängliche Tarifinformationen und Verbraucherhinweise. Konditionen unterscheiden sich je nach Bausparkasse und Tarif erheblich. Der Beitrag ersetzt keine individuelle Beratung. Zuletzt geprüft im August 2026.